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Intelligenztraining -
N-Back-Arbeitsgedächtnistraining
(Jaeggi, Buschkuehl, Jonides, Perrig & Shah,
2008; 2010;
2011)

Wenngleich
kein Zweifel besteht, dass ein großer Teil der Varianz in Gf durch den
Einfluss der Gene zu erklären ist (Baltes, Staudinger & Lindenberger,
1999; Cattell, 1963; Gray & Thompson, 2004), konnte doch gezeigt werden,
dass bspw. die soziale Klasse und auch das Lebensalter auf die Vererblichkeit
von Gf moderierend einwirken (Haworth et al., 2009; Turkheimer, Haley,
Waldron, D'Onofrio, & Gottesman, 2003). Wenn also Gf zu einem gewissen
Maße unter dem Einfluss von Umweltfaktoren steht (Nisbett, 2009), dann
könnten gezielte Interventionen zu einer Verbesserung in Gf
führen.
Vor dem Hintergrund der engen Beziehung zwischen Gf und AG
erfreuten sich in den letzten Jahren vor allem Interventionen zur Verbesserung
des AG zunehmender Beliebtheit (Jaeggi et al., 2008; Jaeggi, Buschkuehl, et al.,
2011; Jaeggi, Studer-Luethi et al.,
2010; Klingberg et al. 2005). Im Folgenden wird das zum heutigen Zeitpunkt
vergleichsweise gut erforschte N-Back-Training
vorgestellt.
Das
N-Back-Arbeitsgedächtnistraining
(Jaeggi, Buschkuehl, Jonides, Perrig & Shah,
2008; 2010; 2011)

Die N-Back-Aufgabe wurde ursprünglich
von Kirchner (1958) als visuell-räumliche Aufgabe mit drei Ladungen (0-back bis
3-back) eingeführt. In der visuell-räumlichen Variante werden nacheinander
visuelle Stimuli (z.B. Quadrate) präsentiert. Die Aufgabe besteht darin, immer
dann zu reagieren, wenn ein Stimulus n-Stufen zuvor an der gleichen Stelle
aufgetaucht war.
Die einfache
Veränderbarkeit des Schwierigkeitsgrads durch eine Erhöhung der
Arbeitsgedächtnis-Ladung (z.B. von 2-back auf 3-back) machte die
N-Back-Aufgabe bei Studien mit bildgebenden Verfahren zu einer der am
häufigsten verwendeten Arbeitsgedächtnis-Aufgaben (Conway et al., 2005; Kane
& Engle, 2002).
Neuerdings konzentriert sich eine wachsende Anzahl von
Forschungsarbeiten auf den Einsatz der N-Back-Aufgabe im Bereich des kognitiven
Trainings (Jaeggi, Buschkuehl, Jonides & Perrig, 2008; Jaeggi, Buschkuehl,
Jonides & Shah, 2011; Jaeggi, Studer-Luethi et al.,
2010; Jausovec & Jausovec, 2012; Redick et al., 2012; Salminen, Strobach
& Schubert, 2012; Schmiedek, Lövden & Lindenberger, 2010; Seidler et
al., 2010). Ausgangspunkt dieser Forschungen waren die häufig zitierten und
kontrovers diskutierten Experimente von Jaeggi et al. (2008), in denen ein
positiver Trainingseffekt eines Dual-N-Back-Trainings auf die Leistungen in
einem Intelligenztest (Bochumer Matrizentest; BOMAT; Hossiep, Turck &
Hasella, 2001) nachgewiesen werden konnte. Das Dual-N-Back-Training
verlangte von den 34 Versuchspersonen (Studenten) der 4
Experimentalgruppen neben dem Bearbeiten der visuell-räumlichen
N-Back-Aufgabe (Quadrate) gleichzeitig die Verarbeitung einer auditiven
N-Back-Aufgabe (Buchstaben). Während also Quadrate eingeblendet wurden, war
gleichzeitig eine Stimme zu hören, die nacheinander Buchstaben nannte. Die
Versuchspersonen mussten immer dann eine Taste drücken, wenn der eben
genannte Buchstabe, auch N Stufen zuvor genannt
wurde.
Durch die Konzipierung
des Trainings als Doppelaufgabe (Dual-N-Back) sollte der Verwendung von
Strategien ein Riegel vorgeschoben werden. Schließlich sollten keine
Memo-Strategien eingeübt werden, sondern das Arbeitsgedächtnis an seiner
Kapazitätsgrenze trainiert werden. Wie schon beim
COGMED-Arbeitsgedächtnistraining wurde dafür ein adaptives Training
entwickelt. Bei guten Leistungen wurde der Schwierigkeitsgrad automatisch um
eine Stufe erhöht, während nach schwächeren Durchgängen die Schwierigkeit um
eine Stufe zurückging.
Die Ergebnisse der
Trainingsstudien erscheinen auf den ersten Blick sehr überzeugend (siehe
Abbildung 1). Insbesondere die Tatsache, dass Verbesserungen im
Intelligenztest gegenüber den Kontrollgruppen umso größer ausfielen, desto
mehr trainiert worden war, beeindruckt. Allerdings stieß nicht zuletzt die
Zusammenfassung der Ergebnisse der 4 Experimentalstudien zu einer einzigen
Abbildung auf Kritik. Redick et al. (2012) geben zu bedenken, dass sich die
vier Studien, in denen die Versuchspersonen an 8, 12, 17 und 19 Tagen jeweils
für ca. 25 Min. trainierten, in zu vielen Faktoren unterschieden, als dass
eine Zusammenfassung der Ergebnisse, wie sie in Abbildung 1B von Jaeggi et
al. (2008) vorgenommen wurde, vertretbar sei. So seien z.B. in der
8-Trainingstage-Stichprobe zur Messung des Transfers auf die Intelligenz
Raven’s Advanced Progressive Matrices (RAPM; Raven, 1990) eingesetzt worden,
während in den übrigen Experimenten auf die BOMAT-Matrizen zurückgegriffen
wurde. Zudem hatten die VPn der 19-Tage-Gruppe zur Bearbeitung des BOMAT
wesentlich länger Zeit, die Aufgaben zu bearbeiten (20 min) als die Pobanden
der 12- und 17-Tage-Gruppen (10 min).

Abbildung
1. Leistungen in den Matrizentests
als eine Funktion von Gruppe und Testzeitpunkt (A) und Verbesserungen in den
Raven-Matrizen oder den BOMAT-Matrizen als eine Funktion der Anzahl der
Trainingstage (B). Aus “Improving Fluid Intelligence With Training on Working
Memory,” von S. M. Jaeggi, M. Buschkuehl, J. Jonides, & W. J. Perrig,
2008, Proceedings of the National Academy of
Sciences of the United States of
America, 105, p. 6831. Copyright 2008 by the National Academy of
Sciences of the United States of America.
Redick et al. (2012)
geben ebenfalls zu bedenken, dass auch die Zusammenfassung der Ergebnisse in
Abbildung 1A verwirre, da der Eindruck erweckt werde, Experimentalgruppe und
Kontrollgruppe seien hinsichtlich ihrer Pre-Test-Leistungen in den
Matrizen-Aufgaben gematcht worden. Tatsächlich fand ein Matching der VPn auf
Basis der Intelligenztestleistungen im Pre-Test jedoch nur in der Stichprobe
statt, die an 17 Tagen trainiert hatte. Zielscheibe heftiger Kritik wurde
neben dem Einsatz nur eines Intelligenzmaßes (Matrizen-Aufgaben) auch die
Verwendung passiver Kontrollgruppen, da somit eine Verfälschung der
Ergebnisse durch das Auftreten von Placebo- oder Hawthorne-Effekten nicht
ausgeschlossen werden kann. Jaeggi, Studer-Luethi et al.
(2010) halten dem entgegen, dass sich unter dem Einfluss derartiger Artefakte
Verbesserungen in allen gemessenen Transfer-Aufgaben (Matrizen-Aufgaben,
Digit Span, Reading Span) hätten einstellen müssen. Während jedoch nach dem
Training positive Effekte auf das Lösen der Matrizen und auf die Digit Span
nachgewiesen werden konnten, blieb der Effekt auf die Reading Span Task (RST)
aus. Nichtsdestotrotz haben Redick et al. (2012) angesichts der genannten
methodischen Mängel nicht unrecht, wenn sie die Euphorie eines Robert
Sternberg (2008) dämpfen. Dieser hatte nämlich als Reaktion auf die Studien
von Jaeggi et al. (2008) verlauten lassen: „Fluid intelligence is trainable to a
significant and meaningful degree” (S.6791). Sternbergs Aussage mag ein wenig voreilig erscheinen,
nicht zuletzt, wenn man sich vor Augen führt, dass in immerhin zwei (8- und
12-Trainingstage) der vier Experimente der Trainingseffekt kein
Signifikanzniveau erreichte. Auch wenn in der 12-Trainingstage-Gruppe
immerhin eine positive Tendenz zu beobachten war (p = 0,09), so
bleiben letztlich nur zwei Studien mit relativ kleinen Stichproben, wovon in
wiederum einer Studie aufgrund der nicht gematchten Intelligenztestwerte eine
Regression zur Mitte aufgetreten sein könnte, in denen ein signifikanter
Trainingseffekt nachgewiesen werden konnte. Sternberg (2008) forderte vor
diesem Hintergrund zu Recht, dass die Ergebnisse unbedingt an weiteren
Stichproben und von unterschiedlichen Forschergruppen repliziert werden
müssten.
In einer ersten eigenen
Replikationsstudie gelang es Jaeggi, Studer-Luethi et al.
(2010) einige methodische Schwächen der früheren Experimente auszuräumen und
gleichzeitig die Ergebnisse aus 2008 weitgehend zu bestätigen. Insgesamt 46
Studenten der National Normal University Taipeh trainierten an 20 Tagen zu
jeweils ca. 17 - 20 Min. entweder eine Single-N-Back-Aufgabe
(visuell-räumlich) oder dieselbe Dual-N-Back-Aufgabe (visuell-räumlich +
auditiv) wie in der Originalstudie. Sowohl die Single- als auch die
Dual-N-Back-Gruppe wiesen nach dem Training gegenüber den 43 Versuchspersonen
der passiven Experimentalgruppe verbesserte Trainingsleistungen auf. Der
größte Transfereffekt konnte bei der Dual-N-Back-Gruppe für das Lösen der
RAPM beobachtet werden (Dual-N-Back: d = 0.98;
Kontrollgruppe: d = 0.10).
Während für die gleiche Gruppe im BOMAT zwar eine signifikante Verbesserung
im Vergleich zum Pre-Test festgestellt werden konnte, wie sie in der
Kontrollgruppe nicht zu beobachten war, erreichte die Analyse der Veränderung
gegenüber der Kontrollgruppe jedoch nicht das Signifikanzniveau (Dual-N-Back:
d = 0.49; Kontrollgruppe: d = 0.29).
Interessanterweise ließen sich auch für die Single-N-Back-Trainingsgruppe
positive Effekte nachweisen (RAPM: d = .65;
BOMAT: d = .70), die
im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant höher ausfielen. Jaeggi,
Studer-Luethi et al.
resümieren, dass diese Ergebnisse nicht nur die Originalstudie bestätigen
würden, sondern weitere Perspektiven für zukünftige Trainingsinterventionen
eröffneten, da Single-N-Back-Aufgaben im Vergleich zu Dual-N-Back-Aufgaben
wesentlich leichter zu verstehen seien und somit auch für den Einsatz mit
Kindern geeignet seien. Tatsächlich wirken die Ergebnisse gegenüber der
Studie aus 2008 wesentlich überzeugender, da einige methodische Mängel
behoben wurden, indem a) eine größere Stichprobe verwendet wurde, b)
Experimentalgruppe und Kontrollgruppe hinsichtlich ihrer Pre-Test-Ergebnisse
in den Matrizen-Tests gematcht wurden und c) alle Versuchspersonen sowohl die
Raven-Matrizen als auch den BOMAT bearbeiten mussten. Dennoch ließ
insbesondere der erneute Einsatz einer passiven Kontrollgruppe nicht alle
Kritiker verstummen (Shipstead, Redick & Engle, 2012). Zudem birgt die
Fokussierung auf Matrizen-Aufgaben als alleiniges Maß der fluiden Intelligenz
die Gefahr, dass ein beobachteter Transfereffekt als Indiz für eine
umfassende Veränderung der fluiden Intelligenz interpretiert wird, obwohl in
Wirklichkeit aufgabenspezifische Verbesserungen (z.B. Verbesserungen in der
visuellen Verarbeitung) für diesen Effekt verantwortlich sein könnten (Moody,
2009).
In der Folge wurden
N-Back-Aufgaben immer häufiger zum Zwecke des kognitiven Trainings
eingesetzt. In zwei Studien (Jausovec & Jausovec, 2012; Schmiedek et al.,
2010) mit vergleichsweise langen Trainingszeiten (ca. 30 Stunden und ca. 100
Stunden) wurde eine N-Back-Aufgabe in ein umfangreiches Trainingsprogramm
eingebettet. In beiden Fällen konnten positive Transfereffekte auf mehrere
Maße der fluiden Intelligenz nachgewiesen werden. Studien mit geringerem
Trainingspensum, in denen ausschließlich N-Back-Aufgaben trainiert wurden,
brachten bislang widersprüchliche Ergebnisse zutage. Während Jaeggi et al.
(2011) nach einem 4 - 6-wöchigen Single-N-Back-Training für Kinder
Transfereffekte auf die RSPM (Raven, 1988) und den Test For Nonverbal
Intelligence (TONI; Brown, L., Sherbenou, R. J. & Johnsen, 1997)
berichten, die auch noch 3 Monate nach dem Training gegenüber einer aktiven
Kontrollgruppe zu beobachten waren, taten sich andere Forschergruppen schwer,
ähnliche Ergebnisse zu finden. So berichten z.B. Salminen et al. (2012) von
verbesserten Exekutiven Funktionen und Seidler et al. (2010) von einer
Verbesserung in einer komplexen Arbeitsgedächtnis-Aufgabe (Operation Span
Task). Der Transfer auf die ebenfalls erhobenen Raven-Matrizen blieb jedoch
in beiden Fällen aus. Unter den Studien, in denen keine Effekte auf
Intelligenztests nachgewiesen werden konnten, verdient vor allem die erst
kürzlich publizierte Untersuchung von Redick et al. (2012) besonderes
Augenmerk. Viele methodische Mängel vorausgegangener Studien wurden von den
Autoren vollständig beseitigt. Anstatt nur einer aktiven oder passiven
Kontrollgruppe ließ man zwei Kontrollgruppen mitlaufen. Neben den 24
Versuchspersonen, die eine adaptive Dual-N-Back-Aufgabe trainierten (siehe
Jaeggi, 2008), mussten 29 VPn eine adaptive visuelle Suchaufgabe (aktive
Kontrollgruppe) bearbeiten, während 20 VPn kein Training erhielten (passive
Kontrollgruppe). Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den drei
Gruppen hinsichtlich ihrer Pre-Test-Leistungen. Um mögliche Verbesserungen
nicht nur in einzelnen Aufgaben zu detektieren, sondern auch auf der Ebene
latenter Fähigkeiten, wurden 17 unterschiedliche Transfer-Maße erhoben. Aber
obwohl das Trainingspensum mit 20 Sessions verteilt auf durchschnittlich 46
Tage (SD = 13,7),
an denen ca. 30 - 40 Min. trainiert wurde, im Umfang dem aus den Studien von
Jaeggi in nichts nachstand, konnte weder in den Tests zur fluiden Intelligenz
noch in Tests zur Arbeitsgedächtnis-Kapazität noch in Multitasking-Tests eine
signifikante Verbesserung nachgewiesen werden. Wie lässt sich dieser auf
ganzer Linie gescheiterte Replikationsversuch erklären? Redick et al.
vermuten, dass methodische Mängel einige der positiven Befunde
vorausgegangener Studien verursacht haben könnten. Unterstützung für ihre
These sehen die Autoren in den subjektiven Auskünften ihrer Versuchspersonen.
So gaben die Probanden der beiden Experimentalgruppen wesentlich häufiger an,
ihr Gedächtnis und ihre Intelligenz habe sich verbessert, obwohl auf
objektiver Ebene keine Verbesserungen feststellbar waren. Entweder hatten
sich die Versuchspersonen tatsächlich in einigen kognitiven Fähigkeiten
verbessert und es war einfach nicht gelungen, dies mit den Leistungstests zu
erfassen, oder sie hatten sich diese Verbesserungen nur eingebildet. In
Anbetracht der Vielzahl kognitiver Tests spricht allerdings einiges für einen
Placebo-Effekt. Redick et al. weisen darauf hin, dass insbesondere in
Experimenten mit passiven Kontrollgruppen mit solchen Placebo-Effekten zu
rechnen sei. Der Glaube, durch ein Arbeitsgedächtnis-Training intelligenter
geworden zu sein, könnte dazu geführt haben, dass Versuchspersonen
ausdauernder mit anspruchsvollen Problemstellungen umgegangen seien.
Allerdings stellt sich dann die Frage: Weshalb haben dann nicht auch die
Versuchspersonen aus der Studie von Redick et al. von derartigen
Placebo-Effekten profitiert? Eine Erklärung könnte lauten: Der Placebo-Effekt
war zu schwach. Denn anders als in allen anderen N-Back-Trainingsstudien
wurde den Probanden im Vorfeld nicht mitgeteilt, dass sie ihre kognitiven
Leistungen durch die Teilnahme an der Studie verbessern könnten. Die
Teilnehmer wurden also bezüglich des Ziels der Studie weitgehend im Dunkeln
gelassen. Diese aus forschungsmethodischer Sicht lobenswerte Vorgehensweise
ist allerdings auch der Schwachpunkt der Studie von Redick et al. Eines der
größten Probleme eines N-Back-Traininigs ist nämlich der Faktor Motivation.
Adaptive (Dual-)N-Back-Aufgaben sind i. d. R. ungemein anstrengend und
gleichzeitig sehr monoton. Soll erreicht werden, dass Probanden über einen
Zeitraum von 20 Tagen mit maximaler Konzentration trainieren, bedarf es
großer Anreize. Während in anderen Studien neben einer finanziellen
Aufwandsentschädigung auch eine Verbesserung der kognitiven
Leistungsfähigkeit in Aussicht gestellt wurde, entfiel dieser wichtige Anreiz
in der Studie von Redick et al. vollständig. Immerhin wurden auch die
Versuchspersonen von Redick et al. mit 10$ für jede absolvierte
Trainingsession entlohnt. Trotzdem stellt sich die Frage, ob alle
Versuchspersonen ohne Hoffnung auf Verbesserungen in den kognitiven
Leistungen bis zum Ende der 20 Tage mit der nötigen Konzentration ans Werk
gingen. Einen wichtigen Hinweis liefern die Leistungssteigerungen in der
Dual-N-Back-Aufgabe. Verglichen mit den Trainingsverbesserungen in anderen
Dual-N-Back-Trainingsstudien (Jaeggi, Buschkuehl, Jonides & Perrig, 2008;
Jaeggi, Studer-Luethi et al.,
2010; Salminen, Strobach & Schubert, 2012) fallen die
Leistungssteigerungen vom ersten bis zum letzten Trainingstag auffallend
gering aus. Zwei der 24 Versuchspersonen schnitten in der Trainingsession von
Tag 20 sogar schlechter ab als in der Trainingsession von Tag 1. Wenngleich
auch der Dual-N-Back-Trainingsfortschritt mit den Pre-/Post-Veränderungen der
Transferaufgaben nicht korrelierte, so bleiben doch Zweifel, ob sich die VPn
von Redick et al. überhaupt ausreichend angestrengt haben, um etwaige
Transfer-Effekte sichtbar werden zu lassen.
Damit ist die
Forschungslage zum (Dual-)N-Back-Training insgesamt eher unbefriedigend.
Während Studien, in denen Transfereffekte gefunden werden konnten, teilweise
methodische Schwächen aufweisen, so leidet die aus forschungsmethodischer
Sicht anspruchsvollste Studie, in welcher überhaupt keine Transfer-Effekte
gefunden werden konnten, womöglich unter Motivationsproblemen ihrer
Teilnehmer.
Konkurrierende Validität der
N-Back-Aufgabe
Trotz der häufigen Verwendung des N-Back-Paradigmas als
Arbeitsgedächtnis-Aufgabe liegt nur eine relativ geringe Anzahl an Studien zur
konkurrierenden Validität vor. Die Datenlage zum Dual-N-Back-Paradigma ist
aufgrund seines noch jungen Alters sogar noch spärlicher. Die wenigen bisher
vorliegenden Studien liefern ein noch unvollkommenes Bild, welche kognitiven
Leistungen beim Lösen von (Dual-)N-Back-Aufgaben involviert sind. Obwohl das
Aufrechterhalten und Updaten eines dynamischen Rehearsal-Sets der N-Back-Aufgabe
eine Augenscheinvalidität als Arbeitsgedächtnis-Aufgabe verleiht (Kane, Conway,
Miura & Colflesh, 2007), fielen die Korrelationen mit manchen
Arbeitsgedächtnis-Aufgaben zunächst eher gering aus. Insbesondere wenn nur
einzelne AG-Maße eingesetzt wurden, wie etwa die RST oder die Operation Span
Task (OST), wurden nur sehr geringe Korrelationen von r = .10
bis r = .24
berichtet (Colom et al., 2008; Jaeggi, Buschkuehl et al., 2010; Kane et al.,
2007; Oberauer, 2005; Roberts & Gibson, 2002). Dem stehen zwei Studien
gegenüber (Shelton, Elliot, Hill, Calamia & Gouvier, 2009; Shelton, Metzger,
Elliot, 2007), in denen über drei Stichproben hinweg eine Korrelation zwischen
den Leistungen in der OST und einem aus 0-, 1-, 2-, und 3-Back zusammengesetzten
Wert von r ≈ .46 gefunden werden konnten. Darüber hinaus konnten Shamosh et
al. (2008) eine Korrelation von r =
.55 zwischen einer 3-Back-Aufgabe und einem aus vier komplexen
Arbeitsgedächtnis-Maßen zusammengesetzten Wert (Operation Span, Reading Span,
Symmetry Span, Rotation Span) nachweisen. Angesichts dieser Datenlage mag man
geneigt sein, die geringen Korrelationen aus früheren Studien auf eine zu
große Fehlervarianz zurückzuführen, die sich durch die Beschränkung auf nur
eine Arbeitsgedächtnis-Aufgabe ergeben haben könnte. Ein weiterer Grund für
schwache Korrelationen zwischen N-Back-Aufgaben und komplexen
Arbeitsgedächtnis-Aufgaben könnte in unterschiedlichen Erinnerungsprozessen
liegen. Während bei N-Back-Aufgaben vor allem Vertrautheits- und
Wiedererkennungsprozesse gefordert sind, verlangen komplexe
Arbeitsgedächtnis-Aufgaben vor allem das aktive Abrufen von
Gedächtnisinhalten (Kane et al., 2007). Tatsächlich konnten Oberauer et al.
(2005) zeigen, dass die Korrelation zwischen einer verbalen N-Back-Aufgabe
und einigen Wiedererkennungsaufgaben deutlich höher ausfiel als der
durchschnittliche Zusammenhang von komplexen Arbeitsgedächtnis-Aufgaben
untereinander. Darüber hinaus erzielten Shelton und Kollegen (2007, 2009)
durch den Einsatz einer modifizierten N-Back-Aufgabe, die einen aktiven
Erinnerungsabruf erforderte, eine größere Korrelation zur OST als andere
Forschergruppen. Die Schnittmenge zwischen N-Back-Aufgaben und komplexen
Arbeitsgedächtnis-Aufgaben scheint also größer auszufallen, wenn gleiche
Erinnerungsprozesse involviert sind. Für einen größeren Zusammenhang sprechen
schließlich auch die Ergebnisse der Studie von Schmiedek, Hildebrandt,
Lövden, Wilhelm und Lindenberger (2009). Mithilfe einer Analyse latenter
Variablen konnte eine latente Korrelation (r =
.96) zwischen einem aus drei komplexen Arbeitsgedächtnis-Aufgaben (Reading
Span, Counting Span, Rotation Span) gebildeten Faktor und einem aus drei
Updating-Aufgaben (visuell-räumliche 3-Back-Aufgabe, Memory Updating, Alpha
Span) gebildeten Faktor gefunden werden. Zwischen den beiden latenten
Faktoren bestand kein signifikanter Unterschied.
Erstaunlicherweise
scheint die N-Back-Aufgabe mindestens genauso eng mit einfachen
Arbeitsgedächtnis-Aufgaben (Simple Span Tasks) zusammenzuhängen
(Korrelationen zwischen r = .12
und r = .53;
Colom et al., 2008; Dobbs & Rule, 1989; Gevins & Smith, 2000; Jaeggi,
Buschkuehl et al., 2010; Oberauer, 2005; Roberts & Gibson, 2002; Shelton
et al., 2007; Shelton et al., 2009). Als wesentlich direkterer
Beziehungsnachweis könnten auch die Ergebnisse aus den Trainingsstudien von
Jaeggi et al. (2008) und Jaeggi, Studer-Luethi et al. (2010) herangezogen
werden, in denen nach (Dual-)N-Back-Trainings zwar signifikante
Verbesserungen in einer Simple Span Task (Digit Span Task) beobachtet werden
konnten, der Transfer auf die komplexeren AG-Aufgaben (RST, OST) jedoch
ausblieb.
Da beim Lösen der
N-Back-Aufgabe augenscheinlich Entscheidungs- und Inhibitionsprozesse als
auch die Auflösung von Interferenzen gefordert sind, kann ein moderater bis
enger Zusammenhang zu Maßen der Exekutiven Funktionen vermutet werden.
Tatsächlich zeigte sich in einer Studie mit Kindern (Ciesielsky, Lesnik,
Savoy, Grant & Ahlfors, 2006) eine substanzielle Korrelation zwischen den
2-Back-Leistungen und den Ergebnissen im Stroop-Test (r = .55) im
Wisconsin Card Sorting Test (r = .56) und
im Verbal Fluency Test (r = .59). In
Studien mit erwachsenen VPn zeigten sich jedoch nur sehr schwache
Korrelationen (r = .10
bzw. r = .12)
zwischen einer 2-Back-Aufgabe und der Stroop-Aufgabe (Friedman et al., 2006;
Friedman et al., 2008). Auch Jaeggi, Buschkuehl et al. (2010) fanden nur eine
geringe Korrelation (r = .26)
zwischen einer auditiven 3-Back-Aufgabe und der Self Ordered Pointing Task.
Dagegen konnten in einer erst kürzlich erschienenen Studie von Salminen et
al. (2012) nach einem 14-tägigen Dual-N-Back-Training Transfereffekte auf
eine Task Switching Aufgabe (reduzierte Mixing Cost) und auf eine Attentional
Blink Aufgabe nachgewiesen werden.
Schließlich scheinen sich N-Back-Aufgaben ein erhebliches Maß
an Varianz mit Maßen der fluiden Intelligenz (Gf) zu teilen. Die gefundenen
Korrelationen sind zum Teil vergleichsweise hoch und reichen von
r = .19
bis r = .66
(Friedman et al., 2006, 2008; Gevins & Smith, 2000; Jaeggi, Buschkuehl et
al., 2010; Salthouse, Pink & Tucker-Drob, 2008; Shelton et al., 2009;
Van-Leeuwen et al., 2007; Waiter et al., 2009). Zudem untersuchten Hockey und
Geffen (2004) als auch Gevins und Smith (2000), ob sich mit interindividuellen
Unterschieden in der Intelligenz (gemessen mit der Multidimensional Aptitude
Battery bzw. der Wechsler Adult Intelligence Scale) Leistungen in der
N-Back-Aufgabe vorhersagen lassen. Tatsächlich konnte beobachtet werden, dass
VPn mit hohen Intelligenztestwerten schneller in der N-Back-Aufgabe agierten als
VPn mit niedrigeren Werten, vor allem bei höheren N-Back-Stufen. Auch in der
Studie von Schmiedek et al. (2009) zeigte sich eine hohe Korrelation
(r = .84)
zwischen einem aus drei Updating-Aufgaben (visuell-räumliche
3-Back-Aufgabe, Memory Updating, Alpha Span) erzeugten Faktor und einem
Gf-Faktor, gebildet aus den Werten der RAPM und neun Reasoning-Aufgaben des
Berliner Intelligenzstrukturtest (BIS; Jäger, Süß, Beauducel,
1997).
In Hinsicht auf die
Relation von Dual-N-Back-Aufgaben zu Gf-Aufgaben liefern insbesondere die
Studien von Jaeggi, Buschkuehl et al. (2010) und Jaeggi, Studer-Luethi et al.
(2010) wichtige Hinweise. Während Jaeggi, Buschkuehl et al. (2010) eine
Korrelation von r = .48
zwischen den RAPM und einer Dual-3-Back- Aufgabe feststellen konnten, gelang
Jaeggi, Studer-Luethi et al. (2010) der Nachweis einer Korrelation zwischen
zwei Gf-Maßen (RAPM, BOMAT) und einem aus 2-, 3- und 4-Back gemittelten Wert
(r = .41
bzw. r = .40). Als
einen wiederum direkteren Beziehungsnachweis zwischen (Dual-)N-Back und Gf
sehen Jaeggi, Buschkuehl et al. (2010) die verbesserten Intelligenztestwerte
infolge von (Dual-)N-Back-Trainings an (Jaeggi et al., 2008; Jaeggi,
Buschkuehl, et al., 2011; Jaeggi, Studer-Luethi et al.,
2010).
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